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Feuerwerk und Geschenkewahn

Geschenkewahn

Weihnachten ist vorbei, Silvester steht vor der Tür und beides sind in der Wohlstandsgesellschaft Feiertage des Kommerzes, des Prassens und des Konsums. Darüber möchte ich mich an dieser Stelle aber gar nicht auslassen, denn in Teilen gebe ich mich diesen Konventionen ebenso hin, unabhängig davon wird das all die Jahre an verschiedenen Stellen zur Genüge getan. Vielmehr möchte ich über Verhältnismäßigkeiten und Verantwortung reflektieren, verbunden mit der Hoffnung den ein oder anderen zumindest zum Nachdenken anzuregen.

Einleitend möchte ich festhalten, dass ich kein Vertreter der ‘Ganz-oder-gar-nicht-Strategie’ bin, ich empfinde es durchaus als Fortschritt, wenn etwas besser wird, schließlich höhlt steter Tropfen auch den Stein und Kleinvieh macht auch Mist. Entschuldigung für die Bemühung dieser Redewendungen, aber sie bringen die Absurdität des eingangs Genannten auf so einfache Weise auf den Punkt. Es bleibt nur zu bedenken, dass »ein bisschen besser« natürlich keine Absolution zur Folge haben sollte, eigentlich nicht einmal ein besser fühlen, sondern vielmehr sollte es zur Motivation zum weitermachen führen.

Weihnachten und sein Müll

Die großen Müllberge aus mehr oder minder unnützen Verpackungen produzieren sicherlich Hersteller diverser Konsumprodukte und Lebensmittel, die wir tagtäglich in den Müll geben. Aber eine nicht unerhebliche Menge produzieren wir auch selbst mit dem Einpacken von Geschenken, besonders in der Weihnachtszeit. Der Grünen Jugend nach erhöht sich das Müllvolumen nach Weihnachten um satte 25%. Neben dem Verpackungsmüll kommen allerdings noch reichlich Lebensmittel dazu, die über die Feiertage in rauen Mengen gekauft werden und dann zwischen den Jahren verderben. Das ist aber, bedauerlicherweise, ein ganz eigenes Thema.

Geschenkpapier, seine Alternativen und was damit geschieht

Nun gehört das Auspacken von Geschenken irgendwie zum Fest dazu und jeder muss selbst entscheiden wie sparsam er mit seinem Verpackungsmaterial umgeht. Auf Plastic Planet findet ihr einige Tipps welch alternative Verpackungsmöglichkeiten fernab von Folien, Klebestreifen und Schmuckbändern ihr im nächsten Jahr ausprobieren könnt. Eine andere Frage, die sich mir in diesem Jahr förmlich aufdrängte war vielmehr die, was eigentlich mit dem ganzen Verpackungsmüll passiert? Der Gedanke kam mir im Übrigen, als einen Tag nach Weihnachten, aus welchen Gründen auch immer, die Müllabfuhr um 6:30 Uhr morgens klingelte um den Papiermüll abzuholen. Meine Oma hat das Papier früher immer aufgehoben, um es noch einmal zu verwenden, das ist aber auch nicht immer möglich. Wir haben nun eine Möglichkeit für uns gefunden, die das Papier zumindest einer zweiten Verwendung zuführt: Füllmaterial. Wir zerknüllen das Papier und sammeln es in einem großen Sack und können es bei Paketen oder Retouren als schützendes Füllmaterial verwenden. Habt ihr andere Ideen, was mit altem Papier noch so angestellt werden kann? Schmeißt ihr einfach weg?

Was wäre Weihnachten ohne den Weihnachtsbaum

Über 20 Millionen Weihnachtsbäume werden jedes Jahr in deutschen Wohnzimmern aufgestellt, oft nur für wenige Tage, wie ein Strauß Blumen. Viele davon kommen aus Skandinavien und sind neben ihrer eigenen unökologischen Existenz auch noch für reichlich CO2 durch den Transport verantwortlich. Wenn man nun auf den Weihnachtsbaum nicht verzichten möchte, sollte man wenigstens darauf achten, dass der Baum aus der Region kommt, um nicht noch die unnötige CO2-Produktion zu unterstützen. Viel offensichtlicher ist allerdings die Frage, was eigentlich mit den Weihnachtsbäumen geschieht, wenn sie als solche ausgedient haben? Diejenigen, die einen Garten haben, haben die Möglichkeit einen Baum im Topf aufzustellen und ihn nach Weihnachten einzupflanzen. Der gemeine Stadtbewohner hat diese Möglichkeit nicht. Meine Recherche für Berlin führte etwas – wie ich finde – recht interessantes zu Tage. Hier holt die Berliner Stadtreinigung die Bäume zu festgelegten Terminen ab und übergibt sie als sogenannte Holzhackschnitzel an Vattenfall. Dort werden die ehemaligen Weihnachtsbäume dann in Heizkraftwerken verbrannt. Im vergangenen Jahr wurden so aus 400.000 Berliner Weihnachtsbäumen 2.700 Tonnen Holzhackschnitzel die etwa 700 Haushalte für ein ganzes Jahr mit Strom und Wärme versorgen können. Vattenfall spar dadurch ungefähr 2.000 Tonnen Kohle und damit 3.000 Tonnen CO2. Wisst ihr, was mit den Weihnachtsbäumen in eurer Stadt passiert?

Silvester oder wie das Geld in Rauch aufging

Etwa 110.000.000 Euro geben allein die Deutschen für Raketen, Böllerei und Feuerwerk aus. 110 Millionen Euro. Egal wie man diese Zahl schreibt, die meisten können sie sich real nur noch schwer vorstellen. So viel Geld, welches sicherlich einige Arbeitsplätze – das Lieblingsargument unserer Politik – sichert, schließlich muss es auch produziert und vertrieben werden. Zudem fördert es ganz offensichtlich den Konsum, aber nach einem Tag ist all das Geld schlicht und ergreifend in – nicht sonderlich umweltfreundlichen – Rauch aufgegangen. Ich selbst bin kein Freund von dem ganzen nervenden Knallzeug, am ehesten noch bunte Raketen, die ich selbst allerdings auch nicht käuflich erwerben würde. Nun möchte ich aber auch niemandem vorschreiben, welchem Jahresendzeitkonzept er folgen möchte. Bevor aber noch eine extra Tüte Knallzeug in der Tasche landet, denkt doch vielleicht darüber nach, ob nicht die Hälfte ausreichend wäre. Das wären dann schließlich nur noch 55 Millionen Euro. Man stelle sich vor, was mit den anderen 55 Millionen anzustellen wäre. Wem an dieser Stelle nichts einfallen möchte, der schaue auf Fundraising-Portalen wie Betterplacewelche ‘Gute Sache’ er mit dem gesparten Geld unterstützen möchte. Kauft ihr Knallzeug und wenn ja, habt ihr ein Limit oder festgelegtes Budget?

Für die meisten Vorschläge dürfte es dieses Jahr vielleicht schon zu spät sein, aber vielleicht denkt der ein oder andere im nächsten Jahr wenigstens zweimal über die Verhältnismäßigkeiten nach. In diesem Sinne – kommt gut ins Neue Jahr!

Kommentare

  1. Jetzt wo du das schreibst fällt mir auf: Ich frage mich auch immer, ob das mit den ganzen Tannebäumen nicht schädlich ist oder schlecht für die Umwelt. Aber NIE kommt ein kritischer Beitrag (oder sehe ich diese nicht). Bei Weihnachten ist es offiziell wohl erlaubt, verschwenderisch zu sein.

    • Ich habe bedauerlicherweise länger für den Beitrag benötigt, als geplant. Das lag maßgeblich daran, das ich mir bei vielen Punkten so dachte ‚ist doch eigentlich klar‘ aber vermutlich geht es vielen damit wie mir in meinen BWL-Vorlesungen, eigentlich alles klar, aber man muss es noch einmal lesen um es ‚wirklich‘ zu begreifen. Und ja, es ist traurig, das das prassen und verschwenden zum Jahresende so dermaßen akzeptiert und wenig reflektiert wird und stattfindet.

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