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Rezension | »Flavia de Luce – Halunken, Tod & Teufel« von

Zwei Morde mit elf Jahren. Der dritte Band um Flavia de Luce.

Halunken, Tod & Teufel - Flavia 3 - Alan Bradley

Es ist wohl unnötig die elfjährige Protagonistin Flavia de Luce oder den erzählerischen Rahmen noch einmal vorzustellen, schließlich handelt es sich bereits um den dritten Band. Zudem dürften jene, die in Erwägung ziehen ihn zu lesen, die ersten beiden bereits kennen. Nachdem mich der erste Band wirklich begeisterte, während der zweite einige Längen aufwies und nicht mehr ganz so überzeugen konnte, war ich auf den dritten um so mehr gespannt.

Worum geht’s?

Flavias Besuch auf dem Jahrmarkt entwickelt sich schnell und ereignisreich zu einem aufregenden und spannenden Potpourrie an Ereignissen. Anfangs scheint sich alles um die Wahrsagerin Fenella zu drehen, deren Zelt Flavia abfackelt und die später bezichtigt wird, etwas mit einem Kindesdiebstahl viele Jahre zuvor zu tun zu haben. Dies führt zu Rachegelüsten, die Flavia zu widerlegen versucht und dabei auch die Enkelin Porcelain kennenlernt. Außerdem erfährt sie, dass ihre beiden Familien bereits in der Vergangenheit Kontakt zueinander hatten. In welchem Maße und wie dies damals ausging, ist etwas, dem Flavia natürlich unbedingt auf den Grund gehen muss.

»›Kindchen‹ hatte ich ungefährt so gern wie eine Kugel in den Kopf. Für Leute, die mich so nennen, hab ich Stehplätze in der Hölle reservieren lassen.«
S. 198

Rezension

Wie schon der zweite Band, ist auch der dritte unabhängig lesbar. Wie man es von vielen Fernsehserien kennt, gibt es zwar die über allem stehende Geschichte um Flavia selbst und den mehr oder minder rätselhaften Tod ihrer Mutter und die Nebenfiguren in ihrem Umfeld. Hauptsächlich aber dreht sich alles um die Mordfälle, deren Aufklärung die schlaue Protagonistin nicht widerstehen kann.

Die Chemie spielt natürlich wieder eine wichtige Rolle, der Mord – oder besser die Morde – geschehen gleich zu Anfang und Flavia stolpert »volle Kanne« hinein und man muss nicht, wie im zweiten Band, lange darauf warten. Mindestens ebenso unterhaltsam, wie die Ermittlungsarbeit von Flavia, sind der in exakt dosiertem Maße eingestreute Witz sowie Situationsbeschreibungen von Alan Bradley. Somit kann der dritte Band wieder voll und ganz überzeugen und lohnt sich auch für all diejenigen, die sich nach dem zweiten gesagt haben »der dritte muss nicht sein«.

»Ich betrachtete den Becher Kakao auf meinem Nachttisch. Als mein Blick auf die dicke, braune Haut fiel, die sich auf der Oberfläche wie Eis auf einem schlammigen Teich gebildet hatte, fing ich unwillkürlich an zu würgen. Es gibt nicht viel, wovor mich ekelt, aber das mit Abstand Schlimmste ist Milchhaut. Milchhaut verabscheue ich zutiefst.«
S. 76

Die besondere Stärke dieses Bandes liegt sicherlich darin, dass Bradley es schafft den Figuren, allen voran Flavia selbst, mehr Tiefe zu geben. So lernt der Leser sie besser kennen, merkt, dass sie nicht nur frech und vorlaut ist, sondern eben auch ein kleines Mädchen. Ein Mädchen, das ihre Mutter früh verlor und dessen Vater mit Nähe nicht umgehen kann. Dieses nähere Kennenlernen erhöht die Sympathie für Flavia ungemein.

Fazit

»Unsinn. Ich hatte schon als kleines Kind festgestellt, dass unser Verstand sich nur zu gern mit absurden Geschichten erschreckt, als wären unsere Gehirnwindungen ein Trupp pummeliger Pfadfinderinnen, die im finsteren Schädelinneren ängstlich um’s Lagerfeuer sitzen.«
S. 67

Wie bei den Vorgängern auch, entführt Bradley den Leser auch in diesem Band in eine amüsante und fesselnde Geschichte, weniger in einen blutrünstigen Krimi. Vielmehr geht es um die Art und Weise wie Flavia die Mordfälle löst, ihre Familiengeschichte und all die Gedanken und Erfahrungen, die im Kopf einer Elfjährigen so kreisen. Für diejenigen, die sich an solchen Nebenschauplätzen und Handlungssträngen erfreuen können, ist Flavia wie gehabt eine sehr gute Wahl.

Sicherlich geht es bei den Geschichten um die Elfjährige nicht immer um Realitätsnähe einer kriminalistischen Untersuchung, sondern vielmehr um die Erlebnisse aus Sicht eines altklugen und ganz besonderen Mädchens, ihre interessante Familiengeschichte und das dörfliche Leben in Bishop’s Lacey. Dennoch ist die Tatsache, dass Flavia noch immer elf Jahre alt ist und sich allein im letzten Lebensjahr um vier Todesfälle kümmerte, in ihrer Unwahrscheinlichkeit nicht zu übertreffen. Ich bin sehr gespannt, wie Alan Bradley den im Englischen bereits erschienenen, vierten Band aufbauen wird. Der deutsche Erscheinungstermin ist im Übrigen für den 22. Oktober angegeben.

Das Buch wurde ebenfalls schön zusammengefasst, kommentiert und diskutiert bei Ada Mitsou liest…, Collection of Bookmarks und Aili’s Leseturm.

Von mir gibt's

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