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Rezension | »Der Blick« von

Ein Kleinod, ein Geheimtipp der Literatur: Für Jugendliche ebenso wie für Erwachsene, egal welchen Geschlechts

Puerto-Carlos-Der-Blick

Ihre lobenden Worte und nicht zuletzt ihre Hommage an das Werk in Form ihres Namens, haben mich dazu veranlasst dieses wunderbare Buch zu lesen, zu verschlingen und zu genießen. Mit dem Wissen, dass ich diese Geschichte lesen werde, kam sie nicht umhin, sich in ihrem Kommentar in Begeisterungsstürme zu stürzen und mir gegenüber als erwachsenen, männlichen Leser zu verteidigen. Dabei wäre dies gar nicht nötig, denn ich bin ganz angetan. Vielen lieben Dank, Ada Mitsou.

Worum geht’s?

Der spanische Autor Carlos Puerto gewährt uns Einblick in das Leben der jungen Inmaculada, oder auch Ada wie sie lieber genannt wird. Wir gehen mir ihr auf die Reise ihres Lebens, sehen einen dichten, komprimierten Ausschnitt – der kritisch betrachtet, sicherlich auch etwas konstruiert wirken kann – und erleben aus einer ungewöhnlichen Erzählperspektive, der Ansprache an Ada, ich bin bis zum Schluss immer wieder darüber gestolpert, eine Urlaubsreise, die erste Liebe, die Steine auf dem Weg des Lebens und ihre Erfolge als Cellistin.

Rezension

»Ich bin zu jung«, hast du gesagt, während du in den Spiegel geschaut hast und die Fingerspitzen über deine Wangen, deine Augenbrauen, die Ränder deiner Lippen, deine Lider hast wandern lassen . . . »Zu jung, um . . .«
– S. 7 –

Der Autor schafft es, diesen Einblick auf höchst romantische Art und Weise wahrlich erlebbar zu machen, ohne auch nur ein bisschen kitschig zu sein. Das ist für mich als männlichen Leser besonders reizvoll und erinnerte mich in Teilen auch an die Erzählungen von Banana Yoshimoto, obgleich diese noch melancholischer sind und ihren Fokus viel mehr auf das Hinwegkommen über tragische Verluste setzen. Aber auch in »Der Blick« bekommt der Leser ein positives Lebensgefühl vermittelt, durch das Familienleben und den Umgang der Protagonistin mit den Schicksalsschlägen in ihrem noch jungen Leben. Das wiederkehrende Thema der Musik mag manchmal auch etwas viel sein, aber der Untertitel heißt nicht umsonst »Eine Liebesgeschichte in c-Moll« und auch die Kapitel sind entsprechend als »Allegro«, »Andante« etc. bezeichnet. Daher empfand ich dies, als einen gelungenen roten Faden und ganz und gar nicht nicht störend. Die unter anderem erwähnte »Auferstehungs-Symphonie« von Schumann mochte ich auch vorher (bis auf die Gesangseinlagen, die mir persönlich Schmerzen verursachen) und habe sie während und nach dem Lesen des Buches »neu entdeckt« und durch das omnipräsente Cello sogar einen Blick über den musikalischen Tellerrand gewagt und die Cello Suiten von Bach, interpretiert von Gavrila Lipkind kennen und mögen gelernt. Bis dato mochte ich Bach im übrigen nicht besonders.

Fazit

Dir fiel ein, dass du dir am vergangenen Samstag einen alten Film von Bergman angesehen hattest: Wie in einem Spiegel. Er hatte dir gefallen, nicht nur wegen seiner faszinierenden Bilder (die Insel in Schwarzweiß, die Theateraufführungen bei Kerzenlicht, die Ankunft des großen Helikopter-Spinnen-Gottes . . .), sondern auch wegen seiner beeindruckenden Musik: ein Solo für Violoncello von Bach.
– S. 15 –

Ich denke, man kann zu Recht sagen, dass es sich sich bei diesem Stück Literatur um ein Kleinod handelt, einen Geheimtipp, den ich ohne das Schwärmen von Ada Mitsou vielleicht nie kennengelernt hätte. Ihr verteidigender Kommentar lies mich das Buch dann noch schneller lesen und ich bin sehr glücklich, es gelesen zu haben. Selbst bei Amazon hat es nur eine – wohlgemerkt sehr positive – Bewertung, obwohl es schon vor zehn Jahren veröffentlicht wurde. Wenngleich ich mit dem Genre Jugendbuch meist wenig anfangen kann, so ist diese zarte, melancholische und doch optimistische Erzählung für Erwachsene ebenso sehr zu empfehlen, wie für Jugendliche und ich möchte betonen egal welchen Geschlechts. Ein weiteres Mal bin ich froh, LitBlogs wie das von Ada Mitsou zu lesen, ohne die ich so viele Juwelen, in der großen Menge so besonderer Bücher, niemals kennengelernt hätte und sicher noch kennenlernen werde.

Das Buch wurde ebenfalls schön zusammengefasst, kommentiert und diskutiert bei Ada Mitsou liest….

Von mir gibt's

Kommentare

  1. Wie schön! Herzlichen Dank für den Ausflug in meine (Lese-)Erinnerung und auch für deine Meinung. Ich freue mich, dass dir das Buch gut gefallen hat und werde beim nächsten Mal auf die von dir genannten Punkte achten. Manchmal entdeckt man ein Buch durch die Worte eines anderen darüber noch mal neu. :)

    • Liebe Ada, ich kann meinen Dank für das Kennenlernen dieses Buches nur erneut unterstreichen und freue mich, dir diesen Ausflug ermöglicht haben zu können. Nach dem erneuten Lesen, freue ich mich über die ein oder andere Notiz von dir, in Bezug auf meine Feststellungen und Äußerungen :-)

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