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Rezension | »Verwesung « von

Dicker Wälzer mit unnötigen Längen. Hoffentlich nur ein Ausrutscher.

Beckett-Simon-Verwesung

Nachdem meine Rezension zu »Verwesung« von Simon Beckett schon eine ganze Weile auf dem Stapel der fertigzustellenden Rezensionen liegt, kam mir der Beitrag Abgespickt von Bibliophilin und der anhängigen Diskussion dazu, ganz recht. Ich musste auch ein wenig schmunzeln, da ich ähnliche Gedanken auch schon hatte. Manchmal vor, manchmal auch nach einem Buch, lese ich hier und da Rezensionen und denke oft genug, dass die ein oder andere Passage wirklich gut ist und es auf den Punkt bringt. Aus diesem Grund werde ich zwar meine Notizen noch verwenden, aber hier und da kürzen und lieber auf die in meinen Augen gelungenen Rezensionen Anderer verweisen. In Zukunft werde ich Bibliophilin noch mehr nacheifern und bei einigen Büchern wirklich nur ein Fazit formulieren und ansonsten verlinken. Mal sehen, wie sich das in der Praxis bewährt.

Einleitung

»Verwesung« ist der nunmehr vierte Band der Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter. Ich für meinen Teil habe diese wirklich gelungene Reihe im vergangenen Sommer für mich entdeckt und nach dem Lesen von »Chemie des Todes« umgehend mit den Folgetiteln weitergemacht. Entsprechend erfreut war ich, als ich die Ankündigung zum vierten Teil »Verwesung« gelesen habe und natürlich habe ich mir das Buch mit dem Erscheinen zugelegt. Wie auch schon bei den vergangenen Teilen, kann man auch »Verwesung« meines Erachtens unabhängig von den anderen Teilen lesen. Es verhält sich bei der Reihe ähnlich wie bei einigen thematisch ähnlichen Fernsehserien, man bekommt den Fall, um den es geht mit, nur kann man mit einigen Zusatzinformationen nichts anfangen, was aber  nicht weiter tragisch ist.

Worum geht’s?

In den Sümpfen von Dartmoor wird eine Leiche gefunden und die Ermittler der Polizei gehen von einem Opfer Jerome Monks aus. David Hunter möchte nun die weiteren Leichen von Jerome Monk finden, der behauptet, sich an nichts erinnern zu können.

Rezension

Sicherlich erwartet man bei solch Trivialliteratur keinen Tiefgang, keine geistigen Höhen, die es zu erklimmen gilt, aber gute Unterhaltung fand ich »Verwesung« leider auch nicht. Ada Mitsou leitet ein mit: »In Die Chemie des Todes konnte mich die englische Art in Kombination mit leicht abstoßenden, aber überaus interessanten Verwesungsprozessen begeistern« – eben das ist es, was ich als dokumentarischen Stil bezeichnen würde und was die Bücher, mir gefiel auch Leichenblässe außerordentlich gut, von Simon Beckett für mich ausmachte.

Einige Leser beschreiben »Leichenblässe« als besonders ekelig, wobei mir nicht klar ist, wieso sie dann einen Thriller über einen Forensiker lesen. Es ist auch genau das, was bei »Verwesung« fast vollständig fehlt. Es ist auch das, was mich beim Zuschlagen der letzten Seite zum Grübeln brachte, wieso nun gerade der Titel »Verwesung« gewählt wurde, wo doch bis auf die ersten Seiten mit dem Zahlenspiel, gerade die Verwesung eine eher untergeordnete Rolle spielt. Vielmehr ist es die Psychologie, die hier die Hauptrolle einnimmt. Möglicherweise wäre eine näher am Originaltitel »The Calling of the Grave« verwendete Übersetzung passender gewesen, lieber Wunderlich Verlag.

Nantik beendet in ihrer Rezension mit den Worten: »Der Thriller lässt sich schnell herunterlesen – und ebenso schnell vergessen.« Ada Mitsou beschreibt es noch passender: »Das Erzählte plätschert streckenweise andeutungsschwanger vor sich hin und lenkt vom Eigentlichen […] ab, wodurch das Potential des Plots an diesen Stellen auf einen lauwarmen Thriller mit vielen Worten, aber nur wenig Nervenkitzel reduziert wird.« Das ist genau der Punkt, Verwesung bleibt nicht haften, so ohne Spannungsspitzen, nach dem Zuschlagen der letzten Seite, konnte ich kaum noch erzählen, worum es eigentlich ging, das war bei den Vorgängern anders, besser. Trotz allem, schließe ich mich Bibliophilin an, die ihre Rezension mit den Worten abschließt: »Trotzdem werde ich die nächsten Bände um David Hunter lesen wollen. Es ist ja schließlich immer noch nicht geklärt, wo die Dame abgeblieben ist, die den Forensiker David Hunter in Leichenblässe niedergestochen hat.« Es bleibt zu hoffen, dass Simon Beckett nach dieser kleinen Schwäche wieder auf Hochtouren kommt und der fünfte Teil spannend, knackig, ein bisschen ekelig und gut wird – so wie ich ihn kennengelernt habe, als ich letztes Jahr die ersten Seiten von »Die Chemie des Todes« umblätterte.

Fazit

Ich bin kein großer Freund von dicken Wälzern, da es meist unnötige Längen sind. Das nun Verwesung dicker als all seine Vorgänger ist, stimmte mich im Vorfeld schon etwas skeptisch. Leider zu Recht. Simon Beckett kann die Spannung leider nur bis zur Mitte halten, anschließend zieht sich das Buch nur noch in die Länge. Trotz eher geringer Thrillererfahrung war es mir möglich den Täter recht früh zu erraten und das Buch hat mich einfach nicht richtig gepackt. Bei allen Schwächen in der Story, bleibt einem noch immer die wunderbare Erzählweise des Autors, die Detailtreue beim Beschreiben des Dartmoor und damit das wie immer flüssige Lesevergnügen. Meiner Meinung nach ist es ein Buch für Fans der Reihe, aber keinesfalls sollte es jemand lesen, der die Reihe nicht kennt und mag, das wäre – auch wenn es prinzipiell möglich ist – schade um die Zeit. Dann sollte dieser lieber zum Auftakt der Reihe greifen.

Das Buch wurde ebenfalls schön zusammengefasst, kommentiert und diskutiert bei Bibliophilin, Crime Time von Nantik, Ada Mitsou liest… und just another bookaholic.

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Kommentare

    • Liebend gern … bin gerade dabei dir noch einen Kommentar zu hinterlassen dazu. Ich müsste 36 Stunden täglich schreiben, um alle Ideen loszuwerden die ich gerade so im Kopf habe. Schlimm ist das.

  1. Pingback: Natalie Schöttler

  2. Pingback: Katrin von Saiten

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