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Rezension | »Fräulein Jensen und die Liebe« von

Ein in die Länge gezogener Artikel einer Frauenzeitschrift. Für Freunde der Trivialität.

Hansen, Anne - Fräulein Jensen und die Liebe

In aller Regel schreiben wir über die schönen Dinge des Lebens: Weil wir das Erlebte reflektieren möchten, aber auch, weil wir den Wunsch haben, schöne Erfahrungen und Entdeckungen mit anderen zu teilen. Manche Entdeckungen, insbesondere in der Literatur, sind nun aber weniger schön. Es sind Bücher, die einen besseren oder einfach nur anderen Eindruck machten oder aber Bücher, die – zumindest aus subjektiver Perspektive – langweilig oder schlecht geschrieben sind. Heute sollen zwei dieser weniger positive Entdeckungen hier Erwähnung finden.

Friederike, die das Buch ebenfalls gelesen hat, wie ich nach kurzer Recherche feststellen durfte, kommentierte mein Lob zu ihrer in meinen Augen gelungenen Rezension mit den Worten »wolltest du das auch lesen? Das ist doch geschlechtsspezifische Literatur aufs übelste« – Nun, was soll ich sagen, ich bin mir ja im Grunde genommen für nichts zu schade und gebe allem, was potenziell interessant oder unterhaltsam ist, eine Chance. Wieso sollte ich mich von geschlechterspezifischen Barrieren abhalten lassen? Wieso nicht einmal die eigene Perspektive verändern und den Blick schärfen, dachte ich mir? Sicherlich lese ich gern tiefschürfendere Literatur, aber etwas leichtes zwischendrin, eine Geschichte für Herz und Seele, ist manchmal eben genau das Richtige. Wohlmöglich hätte ich sonst niemals »Wie ein einziger Tag« oder »P.S. Ich liebe dich« gelesen und das sind schließlich schöne Geschichten, aber zurück zu Fräulein Jensen.

Die Oberflächlichkeit ihres Charakters mag mich als Mann in besonderem Maße gestört haben, da mir natürlich jede Möglichkeit fehlt, mich zu identifizieren. Aber selbst die Möglichkeit zur Identifizierung scheint eben nicht auszureichen, wenn ich mir die harschen, aber sehr passenden Worte von Friederike anschaue: »Streckenweise ist Fräulein Jensen und die Liebe sehr humorvoll, aber größtenteils etwas oberflächlich: defnitiv Frauenliteratur, aber wohl auch den Frauen zu flach, die sich nicht für die Schuhgröße von Paris Hilton interessieren.«

Eben wegen jener Oberflächlichkeit musste ich das Buch auf Seite 90 abbrechen, aber meiner Meinung nach eben nicht nur, weil ich ein Mann bin, sondern weil es für mich einfach ein höchst mittelprächtiger Roman ist. Ich möchte nicht abstreiten, dass Frau Hansen möglicherweise eine gute Journalistin ist, aber dass ist in meinen Augen eben doch etwas anderes als eine Romanautorin. Die Idee hinter dem Buch ist sicherlich reizvoll, aber der Gedanke an die real stattgefundenen Interviews und die »journalistische Schreibe« gingen mir von Beginn an gehörig auf die Nerven. Anders – sicherlich auch thematisch – war das bei Alexander Osang und seinem Roman »Die Nachrichten«, der mich gerade wegen der Sachlichkeit eines Journalisten besonders stark ansprach, diese Sachlichkeit passte dort aber eben auch zur Geschichte.

»Ich sitze auf den Stufen zu einem kleinen viktorianischen Haus im Londoner Westend (MEINEM kleinen viktorianischen Haus im Londoner Westend!) und warte mit verbundenen Augen, darauf, von Jude (Law) und unseren drei wunderschönen Kindern hereingerufen zu werden. Sie haben Waffeln gebacken, und ich darf erst hereinkommen, wenn unser Esstisch aus weißem Marmor (ein Hochzeitsgeschenk von Judes Großmutter, wir haben uns so gefreut!) fertig gedeckt ist.«
– S. 30 –

Anne Hansen schuf hier im Gegensatz dazu eher einen in die Länge gezogenen Artikel in einer Frauenzeitschrift, dessen Idee wie schon erwähnt reizvoll scheint, dessen Umsetzung aber eher aufregt und ärgert und gleichzeitig gähnende Langeweile und Trivialität ausstrahlt. Den Humor, den ich als Ausgleich erwartet hätte, und der der Roman meiner Meinung nach durchaus hätte retten können, musste ich leider vergeblich suchen.

Positiv besprochen haben das Buch Papiergeflüster und Bibliomanie – hingegen meinen Standpunkt vertreten hat Friederike im BlauRaum.

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