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Rezension | »Flavia de Luce – Mord ist kein Kinderspiel« von

Flavia de Luce ist noch immer elf Jahre alt und das damalige Geschehen ist noch immer präsent.

Bradley, Alan - Flavia de Luce - Mord ist kein Kinderspiel

Nachdem sich das Debüt von Alan Bradley einige Monate auf meinem Stapel ungelesener Bücher ausgeruht hat, habe ich es innerhalb kürzester Zeit gelesen und war durchaus angetan. Weil ich ein neugieriger Mensch bin, kam ich allen Vorsätzen zum Trotz nicht umhin, mir wenige Tage nach dem zuschlagen der letzten Seite den zweiten Band mit dem mindestens ebenso schönen Titel »Mord ist kein Kinderspiel« zu bestellen.

Worum geht’s?

Zeitlich spielt die zweite Geschichte offenbar nur wenig später als »Mord im Gurkenbeet« – die Protagonistin Flavia die Luce ist noch immer elf Jahre alt und das damalige Geschehen ist noch immer präsent, wenngleich man den ersten Band nicht gelesen haben muss, um den zweiten Band lesen zu können. Der landesweit bekannte Puppenspieler Rupert Porson, kommt nach Bishop’s Lacey und kommt nicht mehr dazu es lebend zu verlassen. Außerdem schwebt auch noch der Tod des kleinen Robin Ingleby über den schrulligen Bewohnern der kleinen, englischen Ortschaft Bishop’s Lacey, die wir mit dieser Geschichte wieder ein wenig besser kennenlernen. Wir sind live dabei, wie Flavia die neuen und alten Beziehungen und Bekanntschaften aufdeckt und so erneut den  Fall lösen kann.

Was baumelt dort am Strickelein? O weh, es ist mein Kindlein Böses Kindlein ist fortgelaufen,Tat im Dorf ein Stricklein kaufen.Ist zum Bäumelein gegangen,Hat sich daran aufgehangen.
– S. 88 –

Rezension

Ich lag tot auf dem Friedhof. Seit die Trauernden ein letztes, kummervolles Mal Abschied von mir genommen hatten, war bereits eine geschlagene Stunde vergangen. Punkt zwölf, also genau um die Zeit, um die wir uns sonst immer zum Mittagessen am Tisch versammelt hatten, war ich aus Buckshaw fortgebracht worden.
– S.11 –

Diesmal beginnt die Geschichte im Gegensatz zum Vorgänger nicht mit einem Mord, sondern mit einigen Geschehnissen und Entwicklungen die später bei der Aufklärung eine Rolle spielen. Dies ist zum einen lobenswert, da Alan Bradley nicht schematisch den gleichen Aufbau wählt, auf der anderen Seite sind die teilweise aus dem ersten Band bekannten Informationen sowie einige Redundanzen auch etwas langatmig. Lachgas beschreibt das schön mit den Worten »[…] nach 50 Seiten fing ich an auf den Mord zu warten … und wartete … und wartete … und auf Seite 151 passierte er dann endlich.« Nach dem Mord gewinnt die Geschichte wie gewohnt an Fahrt und man hat erneut große Freude daran, zu verfolgen wie Flavia mit ihrem kindlich-naiven und dennoch unerschrockenen Spürsinn den Fall aufklärt. Viel mehr bleibt eigentlich nicht zusagen, da die etwas detaillierte Darstellung des ersten Bandes, der Schreibweise und dem Reiz der Geschichten um Flavia de Luce hier bestehen bleibt, was Segen und Fluch gleichermaßen ist.

Mit Gift zu hantieren hat für mich etwas Befreiendes. Wenn der kleinste Ausrutscher tödlich sein kann, ist man gezwungen, sich auf sein Experiment zu konzentrieren, wie eine Sammellinse auf den Brennpunkt, und dann kommt es oft vor, dass einem die Antworten auf halb ausformulierte Fragen so bereitwillig zufliegen, wie Bienen, die in ihren Stock […]
– S. 268 –

Haptik und Trivia

Das Buch als solches ist schön anzusehen und anzufassen, macht aber trotz alledem keinen übermäßig hochwertigen Eindruck wie Beispielsweise Bücher aus dem Verlag Antje Kunstmann oder Kein & Aber. Witzig – ist nicht der richtige Ausdruck, sagen wir interessant – fand ich, dass der erste Band 19,95 Euro kostet, der zweite dann aber ebenso wie auch der dritte 19,99 Euro. Außerdem ist das Cover des ersten Bandes in der Gebundenen als auch in der Taschenbuchausgabe identisch, beim zweiten Band dann aber für das Taschenbuch eine andere Farbgebung für den Hintergrund des Motivs gewählt wurde. Auf Nachfrage via Twitter teilte Blanvalet mir dazu folgendes mit: »Wir haben uns dazu entschlossen, weil die Cover von Band 1 und 2 zueinander zu ähnlich waren. Ist aber gut geworden, oder?«

Die englischsprachige Ausgabe des dritten Bandes mit dem Titel A Red Herring Without Mustard ist bereits erschienen, wohingegen die deutsche Ausgabe mit dem Titel Halunken, Tod und Teufel voraussichtlich im Oktober diesen Jahres erscheinen wird. Hat den dritten Band vielleicht schon jemand gelesen und kann mir – ohne zu viel zu verraten – etwas zu meinen Sorgen und Hoffnungen sagen?

Erwähnte Bücher

Folgende Bücher wurden in der Geschichte, vor allem von Daphne, gelesen oder vorgelesen: Odyssee von Homer, Melmoth der Wanderer von Charles R. Maturin,Nachtmahr – Abtei von Thomas Love Peacock, Durchs Land der tausend Rätsel von Savage Landor, Jack und die Bohnenranke, Anatomie der Melancholie von Robert Burton,Die Sturmhöhe von Emily Brontë,Die Herrin von Wildfell Hall von Anne Brontë und Jane Eyre von Charlotte Brontë. Außerdem fand musikalisch noch das Werk Beethovens sowie die Peer Gynt Suite von Edvard Grieg ihre Erwähnung.

Fazit

“Du bist unzuverlässig, Flavia”, sagte er. “Fürchterlich unzuverlässig.”Recht hatte der Mann! Unzuverlässigkeit gehörte zu jenen Eigenschaften, die ich an mir am allermeisten mochte! Elfjährige sind nun mal unzuverlässig.
– S. 116 –

So schließe ich mich annähernd uneingeschränkt dem Abschluss von Katze mit Buch an, die es auf den Punkt bringt »[…] nur im Vergleich zu ‚Mord im Gurkenbeet‘ zieht es bei mir leider den Kürzeren und für die Folgebände sehe ich außerdem noch Luft nach oben!« Wie schon im ersten Band begeistert die Geschichte nicht mit Spannung im klassischen Sinne, sondern vielmehr mit dem Spaß der kleinen Flavia de Luce bei ihrer detektivischen Freizeitgestaltung über die Schulter zu schauen. Wem der erste Band gefallen hat, dem wird ganz sicher auch der zweite gefallen. Es bleibt zu hoffen, das Bradley im im Herbst erscheinenden dritten Band eine Konstruktion findet, die nicht zu viele Längen aufweist und nicht erneut unnötig viele Seiten mit bereits bekannten Vorgeschichten füllt. Denn auch wenn ich die Elfjährige und ihre Eigenheiten lieb gewonnen habe, würde – böse gesagt – ein erneuter Aufguss trotz allen Charmes drohen ermüdend zu werden.

Das Buch wurde ebenfalls schön zusammengefasst, kommentiert und diskutiert bei Ada Mitsou liest…, Katze mit Buch, Bibliofeles und Lachgas.

Von mir gibt's

Kommentare

    • Vielen Dank für das Lob, es freut mich natürlich sehr, das meine Rezension zu einer positiven Entscheidungsfindung beitragen konnte. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen, ich selbst werde in Kürze den dritten Band beginnen und bin schon sehr gespannt.

  1. Vielen Dank für die Rezension, mir hat „Mord im Gurkenbeet“ sehr gefallen, ich denke, „Mord ist kein Kinderspiel“ werde ich mir sicher auch noch zulegen. Allerdings bin ich auch skeptisch, inwieweit die Grundidee von Bradley eine ganze Serie tragen kann. Aber ich lasse mich gerne überraschen! 🙂

    • Vielen Dank für deinen Kommentar. Mir hat der zweite Band ja nicht ganz so gut gefallen, Bradley schaffe es aber im dritten wieder zuzulegen. Deine Skepsis kann ich gut nachvollziehen, mir geht es ähnlich, allerdings habe ich grundsätzlich wenig Erfahrung mit Reihen, erst recht längeren. Es ist ja letztlich gut möglich, das Bradley nach wenigen Bücher aufhört. Wenn nicht, wird es sicherlich interessant wie Flavia älter wird und wie sich das Leben des Mädchens im Kontext der Handlungsbasis verändert. Bleiben wir einfach gemeinsam gespannt 🙂

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