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Rezension | »Rotes Gold« von

Ich will Thunfisch. Jetzt. Oder lieber doch nicht?

Hillenbrand, Tom – Rotes Gold (7)

Dieses Mal habe ich, gänzlich unüblich für mich, mit dem zweiten Band einer zum Zeitpunkt des Lesens noch jungen Reihe begonnen. Mittlerweile geht die Reihe in ihren vierten Band Tödliche Oliven, der im November erscheinen wird. Ich freue mich sehr darauf. Eben weil mir Rotes Gold so gut gefiel, habe ich direkt im Anschluss den ersten Band Teufelsfrucht gelesen und war mindestens genauso begeistert. Auf den kulinarischen Krimi bin ich im übrigen nur gestoßen, weil wir für unser Bachelorprojekt auf der Suche nach Belletristik mit kulinarischem Bezug waren. So kann’s gehen. Danke an den Verlag Kiepenheuer & Witsch für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars und natürlich danke an Tom Hillenbrand, der sich nach einer Anfrage auf Twitter darum bemüht hat.

Protagonist dieser spannenden, zugleich unterhaltsamen und dazu äußerst lehrreichen Geschichte ist Xavier Kieffer, seines Zeichens Sternekoch aus Luxemburg.

Das war einmal anders gewesen, aber inzwischen würde er eine Scheibe frisches Landbrot mit Käse oder eine luxemburgische Bouneschloupp mat Mettwurscht jederzeit kulnarischen Monstrositäten wie pigeon en feuilleté au chou nouveau et au foie gras vorziehen. Fançois Allégret hingegen, der ganz augenscheinlich ein extravaganterer Charakter als Kieffer war, hatte die Freude an der haute cuisine offenbar noch nicht verloren, war aber, wie viele Gourmets, stets auf der Suche nach einem noch größeren kulinarischen Kick.

– S. 15

Worum geht’s?

Seine Beziehung zur Pariser Multimillionärin und Herausgeberin des Guide Gabin Valérie Gabin erlaubt Xavier Kieffer Zugang zu den höchsten Kreisen der französischen Metropole. So kommt es, das er zu einer Abendveranstaltung des Pariser Bürgermeisters eingeladen wird. Dort ereignet sich, wie auch schon im ersten Band (mir zum Lesezeitpunkt natürlich völlig unbekanntnt), ein unglücklicher Todesfall. Opfer ist der Sushikoch Mifune und Kieffer wird vom Bürgermeister höchstpersönlich gebeten, in der Angelegenheit zu ermitteln. Schnell führen ihn seine Ermittlungen in die für ihn völlig neuen Gefilde der Fischerei, genauer dem Milliardengeschäft des Thunfischs und der Misere des steigenden Konsums von Sushi oder dem was wir dafür halten. Wie auch der Protagonist, erfährt der Leser einiges über die Fangquoten der Europäischen Union, die diversen Arten des Thuns und den exquisiten Geschmack dieses Fisches. Aber was hat der Thun mit dem Tod eines gefeierten Sushikochs zu tun?

‚Nach dem, was mein Freund Toro Hashimoto, ein Pariser Sushikoch, mir erzählt hat, mutet die offizielle Version etwas unwahrscheinlich an, ja.’ Allégret nickte. ‚Jemand muss die Wahrheit herausfinden.‘ Er lächelte, zeigte seine makellosen Porzellanzähne. Doch das Lächeln spielte sich nur um eine Mundwinkel herum ab. Die Augen des Bürgermeisters blieben unbeteiligt, und als er Kieffer anschaute, war sein Blick kühl. ‚Jemand wie Sie.‘

– S. 56

Kieffer reist bis nach Sizilien, erfährt einiges über den traditionellen Thunfischfang, der von den Fischern fort nur noch für die Touristen ausgeübt wird und kaum noch zum Leben reicht. Alles nur, um den Machenschaften einflussreicher Industriellen auf die Spure zu kommen, die auch für ihn selbst gefährlich werden können.

Rezension

Tom Hillenbrand vermag es, mit diesem Buch auf spannende Weise zu unterhalten, schließlich handelt es sich um einen Krimi. Er schafft es aber ebenfalls, fast schon wie ein Sachbuch, über die Fischerei aufzuklären und all das auch noch höchst unterhaltsam zu verpacken. Wenngleich ich den ersten Band zum damaligen Zeitpunkt noch nicht kannte, um es einschätzen zu können, hat Tom Hillenbrand es geschafft einen sympathischen und zugleich kauzigen Protagonisten zu erschaffen, der reichlich Potenzial für noch viele weitere kulinarische Kriminalfälle bietet. So stark der Charakter des luxemburgischen Kochs ist, so wunderbar sind auch die Nebencharaktere beschrieben, sein finnischer Freund Pekka Vatanen ebenso wie der durchgeknallte Japaner. Sie alle kann man sich mühelos vorstellen, mit ihren Macken und Makeln, ebenso wie ihren liebenswerten Eigenschaften.

‚Was wissen Sie vom Thunfang, Herr Kieffer?’

‚Nicht allzu viel. Ich weiß, dass die Mattanza die althergebrachte Methode ist, das Gros der Fische aber heute von Hightechbooten gefangen und dann zu Thunranches geschleppt wird.’

‚Richtig. Was wir hier machen, ist die Tradition.’

‚Wieviele Fische haben Sie heute gefangen?‘

‚Vielleicht hundert. Hundert kleine Fische, keiner über 150kg. Ein schlechtes Geschäft.‘

‚Warum gibt es die Mattanza dann noch?‘

‚Sehen Sie die Insel dahinten?‘

‚Die kleine? Eine der Ägadischen Inseln, nehme ich an.’

‚Sì. Dort gibt es eine Höhle, mit Malereien. 4000 Jahre alt. Höhlenmenschen haben Männer und Frauen an die Wand gemalt. Außerdem Keiler, Rinder und Thunfische. Das ist die Tradition Siziliens. Immer schon. Wir können nicht aufhören.’

– S. 280

Lesefutter

Auch wenn sich die ganze Geschichte zwar um Essen dreht, haben wir uns schlussendlich gegen die Verwendung von »Rotes Gold« – dessen Titel im übrigen Bezug zur Farbe des Thuns nimmt – für Lesefutter entschieden. Wie auch schon im ersten Band, der etwas geeigneter zu sein schien, wird des Öfteren von den luxemburgischen Spezialitäten im Restaurant »Deux Eglises« von Kieffer gesprochen. Der Fokus aber liegt natürlich beim Thunfisch, nur als Sushi – was naheliegend wäre – passt er nicht allzu gut in unser Konzept und der Aufenthalt in Sizilien, der eine italienische Zubereitung nahelegen würde nimmt einen verhältnismäßig geringen Teil der Geschichte ein.

Fazit

Um es kurz zu machen, ich kann »Rotes Gold« nur jedem empfehlen, der gern noch etwas lernt, während er gut unterhalten wird. Wenn dazu noch eine gewisse Leidenschaft für alles rund ums Essen hinzukommt: Perfekt!

Ich habe die Geschichten um Xavier Kieffer schon mehrfach empfohlen und werde das mit Sicherheit auch weiterhin tun. Insbesondere für mich, der eher selten Krimis liest, ist diese Reihe eine lesens- und verfolgenswerte. Danke für die Gute Unterhalten!

Das Buch wurde ebenfalls schön zusammengefasst, kommentiert und diskutiert bei Spiegel Online, Lesefieber, Die Liebe zu den Büchern, The Coffee Site, Hamburg kocht und bei Frau Hauptsachebunt.

Von mir gibt's

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