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Rezension | »Am Ende eines Sommers« von

Eine Familie am Abgrund und ein optimistischer kleiner Junge

Am Ende eines Sommers - Isabel Ashdown

Bereits im Sommer habe ich mir im Rahmen der Aktion Rezension für Eichborn unter anderem dieses Buch zugelegt, vor allem wegen der Besprechung von Mariki im Bücherwurmloch. Ihre Worte möchte ich an dieser Stelle erneut, und diesmal um den Inhalt des Buches wissend, zitieren.

»Wenn man 13 ist, ist das Leben kompliziert. […] Am Ende eines Sommers erzählt die Geschichte einer Familie, die sich stets sehr nah am Abgrund bewegt. […] die Verwirrung, die nach der letzten Seite bleibt. Viele Fragen sind noch offen, wenn der Roman bereits geschlossen ist […] Eitel Sonnenschein suche man woanders!«
– Mariki im Bücherwurmloch –

Es sind Worte, die mich das Buch wählen ließen und Worte, die es nach dem Lesen noch immer passend zusammenfassen. Danke. Wenige Tage nach dem Erhalt las ich das Buch. Dennoch mussten noch einmal Wochen und Monate vergehen, bis ich meine Notizen und Gedanken in Form dieser Besprechung nun endlich veröffentliche. Neben einigen anderen Dingen die dazwischenkamen, war es auch der Nachhall, den das Buch in einem hinterlässt, der seine Zeit in Anspruch nahm. Er macht es schwierig und weckt die Herausforderung in einem, dem Buch in einer Besprechung gerecht werden zu wollen…

 Worum geht’s

»Südengland
Ende der Sechziger Jahre: Mary und Rachel sind Schwestern an der Schwelle zum Erwachsensein, unbekümmert und süchtig nach Leben. Rachel ist immer ein paar Schritte voraus, doch dann entflieht ausgerechnet Mary, die Jüngere, ihrer Kindheitswelt so vehement, dass ihre Familie sie verstößt und die geliebte Schwester den Kontakt abbricht. Die beiden ahnen nicht, dass sie sich erst viele Jahre später wiedersehen werden.

Portsmouth, 1985: Jake ist dreizehn, als seine Eltern sich trennen und er sein Leben selbst in die Hand nehmen muss. Seine Mutter Mary ist eine liebevolle, aber tief verletzte Frau, sein kleiner Bruder ist eine Nervensäge. Doch Jake lässt sich seine Träume nicht nehmen: Er trägt Zeitungen aus, spart für eine Hi-Fi-Anlage, verknallt sich in seine junge Lehrerin – und als dann plötzlich seine Tante Rachel auftaucht, von deren Existenz Jake gar nichts wusste, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Doch mit Rachel kehrt nicht nur die Hoffnung zurück, sondern auch ein lang gehütetes Familiengeheimnis…«
– Klappentext –

Das Buch bewegt sich abwechselnd in zwei Zeitsträngen, etwas das gewollt oder gekonnt angewendet werden kann und Isabel Ashdown kann es wirklich. Meiner Meinung nach ist es regelrecht essentiell für den Roman. Er beschreibt das Schicksal einer gebeutelten Familie, deren Zerrüttung, so schnörkellos und ungeschönt wie nur möglich und parallel dazu die Hintergründe der kaputten Mutter, psychisch labil und Alkoholikerin. Hinzu kommen verschiedene Fragmente, die all das umrahmen, Geheimnisse und Andeutungen. Bis zum Schluss und darüber hinaus lässt die Autorin den Leser damit allein, deswegen bleibt das Buch im Kopf und deswegen ist es ein gutes Buch, aber eben kein Leichtes. Es ist für diejenigen, die wissen, dass das Leben auch unfair sein kann oder aber diejenigen, die ihre rosarote Brille bereit sind abzunehmen.

Rezension

Der ein oder andere mag sich an einigen Stellen fragen, wieso die Protagonistin oder ihr Ex-Mann so handeln, wie sie es tun und genau das unterstreicht dieses beängstigend authentische Portrait der Familie. Einer Familie mit einer psychisch- und suchtkranken Mutter und einem Vater, der viele Merkmale der Co-Abhängigkeit zeigt und Verzweiflung und einem fast erwachsenen Sohn im Körper eines Kindes. Brüdern, die jeder auf seine Weise mit der Situation umgehen, bis hin zur Flucht.

Zu guter letzt lässt das Buch den Leser aber auch optimistisch zurück, denn der kleine Jake gibt nicht auf, obwohl er genau weiß, dass etwas mit seiner Mutter nicht stimmt. Auch nach dem dramatischen und mitreißenden Ende bleibt die positive Aussicht trotz aller Schicksalsschläge und dem möchte ich mich anschließen, denn die Vergangenheit kann man nicht ändern, aber seine Zukunft kann man gestalten.

Fazit

Es handelt sich um ein durchaus anspruchsvolles Familiendrama, welches seinesgleichen sucht – ebenso wie ich, der liebend gern im Anschluss gleich in eine ähnliche Geschichte eingetaucht wäre. Der Roman spielt in den sechziger Jahren sowie Mitte der achtziger Jahre. Den Zeitsprüngen ist zumindest am Anfang etwas mühselig zu folgen, ich kann nur empfehlen sich anhand von Handlung und jeweiligen Figuren von der Geschichte mitreißen zu lassen und weniger den Daten zu folgen.

Meine Erwartung habe ich im eingangs genannten Blogpost mit folgenden Worten beschrieben »Die Fragmente und der Klappentext sprechen mich an, reizen mich und machen mich neugierig. Das Leben, wie es ist, ungeschönt und realistisch und der Umgang mit ihm – Das ist es, was einen wissen lässt wohingegen die leichte Kost mehr das glauben ist.«

Meine Erwartungen wurden erfüllt, mehr noch, ich habe das Buch bereits mehrfach und vor allem erfolgreich weiterempfohlen. Außerdem ist es ein weiterer Beweis dafür, welch positiven Einfluss die Aktion »Rezensionen für Eichborn« auf mein Leseverhalten hatte. Immerhin habe ich dadurch ganz dezidiert damit begonnen, das Sortiments des Verlags mit der Fliege zu erfahren. Mittlerweile ist auch das nächste Buch von Isabel Ashdown erschienen, es trägt den Titel »Hurry Up and Wait« und ist hier verwirrenderweise ebenfalls unter einem englischen Titel erschienen, »Sunday Girl«. Das liegt hier bereits auf dem Stapel zu lesender Bücher, da ich es erfreulicherweise von unserer Lieblingsnachbarin geschenkt bekam. Hoffentlich komme ich bald dazu, es zu lesen…

Das Buch wurde ebenfalls schön zusammengefasst, kommentiert und diskutiert bei Papiergeflüster, Bücherwurmloch, LeseLust & LeseLiebe, Seitenweise, Lisi & Phoebe, Jargs Blog und Leseturm.

Von mir gibt's

Kommentare

  1. Es ist schon echt lange her, dass ich dieses Buch gelesen habe, aber deine Worte sind wirklich gut gewählt. Obwohl ich es härter bewertete, ist es eines der richtig guten Bücher, die ich bisher so gewählt habe. Habe meine eigene Rezension zu „Am Ende eines Sommer“ eben noch einmal durchgelesen und festgestellt, dass ich meine Rezensionen früher gaaaaaaanz anders als heute gestaltete…
    Vielen Dank für die Verlinkung, durch die ich das noch einmal entdeckte/durchlebte.
    Liebe Grüße und eine angenehme Nachtruhe,
    wünscht,
    Charlousie

    • Bei mir ist es auch schon lang her, dass ich das Buch las, meine Notizen ruhten einige Zeit bevor dann endlich die Rezension veröffentlicht wurde. Die Feststellung, dass man seine eigenen Rezensionen stetig weiterentwickelt macht wohl fast jeder, ich denke das ist in der Mehrheit ein positives Zeichen, oder? Hast du schon ihr neues »Sunday Girl« gelesen? Ich hatte jetzt nicht auf deinem Blog gesucht… das liegt hier nämlich auch noch, ich habe es erfreulicherweise vor einigen Wochen geschenkt bekommen und freue mich schon sehr!

  2. Ich denke auch, dass das ein SEHR positives Zeichen ist!!
    Es wäre dramatischer festzustellen, dass man sich „zurückentwickelt“ hat oder (meistens passiert mir ja eher das), gar keine Entwicklung stattfand…

    Oh nein! Ich wusste gar nicht, dass sie gerade wieder ein neues Buch herausgebracht hat. Muss direkt mal gucken, ob mich der Inhalt anspricht. Denn „Am Ende eines Sommers“ gehört eher nicht in mein „typisches Jagdgebiet“ 😉

    Viele Grüße und einen schönen Freitag wünsche ich!!

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