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Rezension | »Schändung« von

Ein gesellschaftskritischer Thriller

Adler-Olsen, Jussi - Schändung

Nachdem mir der erste Band dieser noch jungen Reihe des dänischen Newcomers Jussi Adler-Olsen sehr gut gefallen hat, habe ich mich natürlich umgehend an den zweiten gewagt.

Worum geht’s?

In »Schändung« geht es, neben einem neuen Fall, auch weiterhin um die privaten Befindlichkeiten des Protagonisten. So sieht sich Carl Mørck weiterhin mit seinem Trauma aus dem unglücklichen Einsatz, der letztlich zur Gründung seines Sonderdezernats führte, verbunden mit den Wünschen und Forderungen seines Kollegen und Freundes Hardy konfrontiert. Hinzu kommt die attraktive Therapeutin Mona Ibsen und die ihm zugewiesene, ebenso schräge Sekretärin Rose. Anfangs geht es nur um ein vor zwanzig Jahren umgebrachtes Geschwisterpaar, deren Akte irgendwie auf seinem Schreibtisch landet. Mit der Zeit stoßen Carl Mørck und seine Kollegen aber auf Verstrickungen bis in die dänische High Society, in deren wohlhabenden Elternhäusern weder Geld noch Gefühle eine Rolle spielten.

»Wunderbare junge Menschen, finde ich. Das haben sie mit ihrem Werdegang seither ja bewiesen, finden sie nicht? Tja, sagte Carl. Davon verstehe ich nicht so viel. Aber einer, der sich selbst mit der Schrotflinte ins Untergestell schießt, ein anderer, der davon lebt, Frauen mit Botox und Silikon auszustopfen, ein Dritter, der unterernährten Mädchen durch grelles Scheinwerferlicht stolpern lässt, ein Vierter, der mit Lebenslang im Gefängnis sitzt, ein Fünfter, dessen Spezialität es ist, reiche Menschen auf Kosten unwissender, kleiner Sparer noch reicher zu machen, und schließlich eine, die seit elf Jahren auf der Straße lebt. Ja also, da weiß ich nicht so genau, was sie meinen.«
– S. 395, Schändung –

Dieser Blick auf die »Oberen Zehntausend« und der damit verbundenen, auch auf andere Gesellschaften übertragbaren, Kritik an arrogantem und selbstverliebtem Verhalten, gefiel mir hier besonders. So gesteht er dem Thriller eine weitere Ebene zu, die ganz und gar nicht konstruiert daherkommt. Die oft erwähnte Brutalität des Buches, die beim Leser äußerst beklemmend wirkt, ist dabei sicherlich nicht der blutigen Beschreibung von Tatorten und -hergängen geschuldet, sondern dem Realitätsbezug und der psychologischen Grausamkeit der Täter, die eben nicht die schon immer auffälligen Psychopathen sind, sondern auch der gesellschaftlichen Elite angehören können.

Das Buch wurde ebenfalls schön zusammengefasst, kommentiert und diskutiert bei Anjas Bücherblog,Thriller Killer’s Blog und Ada Mitsou liest.

Fazit

Mein Fazit zum ersten Band gilt in weiten Teilen auch für »Schändung« und dennoch hat es mich noch einmal mehr begeistert. So ergänzt der Autor die Geschichte um eine gehörige Portion Gesellschaftskritik – einer Tatsache, die zumindest mir außerordentlich gut gefällt. Außerdem beweisen beide Bände, dass es möglich ist ohne ekelige Tatortbeschreibungen oder blutiges Gemetzel seine Leser zu fesseln und zu berühren. Nach der Lektüre des zweiten Bandes, freue ich mich nun auf das Erscheinen von »Erlösung« Anfang Juli.

Von mir gibt's

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