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Rezension | »Der Duft von zu Hause« von

Der Duft eines etwas langweiligen zu Hauses, das sein Potenzial verschenkte

Der-Duft-von-zu-Hause

Die Idee für unsere Bachelorarbeit Lesefutter kam uns, weil uns schon öfter auffiel, wie wunderbar Speisen und Rezepte in der Belletristik beschrieben werden, zuletzt in »Das Lächelnder Frauen« von Nicolas Barreau. Wir konnten uns also bereits auf einige bekannte Bücher konzentrieren, haben euch aber hier und hier miteinbezogen und gefragt, welche Literatur ihr selbst noch kennt, in denen das Essen eine besondere Rolle spielt. Viele Hinweise haben wir bekommen und auch selbst recherchiert, den Großteil davon auch bestellt. Aus den Stapeln an Büchern wählen wir nun nach und nach unseren Lesestoff aus und möchten euch selbstverständlich unsere Meinung dazu nicht vorenthalten. Da wir hier auf derschoeneblog.de sowieso Rezensionen veröffentlichen, haben wir uns entschieden, auch die Rezensionen für Lesefutter hier zu veröffentlichen. Ob wir es wirklich schaffen, alle Bücher zu rezensieren wissen wir noch nicht, aber wir geben uns größte Mühe und holen dies gegebenenfalls auch nach unserer Abgabe und Präsentation nach.

Lange (Vor-)rede, kurzer Sinn: An dieser Stelle soll es nun um das von mir gelesene Buch »Der Duft von zu Hause« von Elisabetta Severina gehen, das von der Covergestaltug ebenso vom Klappentext her durchaus vielversprechend klang. Leider könnt ihr an diesem Satz wohl schon bereits meine verhaltene Meinung zu diesem Buch ablesen. An und für sich gehören solche Familiengeschichten zu meinen Favoriten, so musste ich gleich – wegen des ebenfalls italienischen Autors – an mein wunderbares Leseerlebnis »Damals, am Meer« von Marco Balzano denken und erwartete anstatt der männlichen Perspektive nun eben die weibliche. Außerdem erinnerte es mich, wenngleich die Geschichte etwas tragischer und tiefschürfender ist, auch an das Debüt von Isabel Ashdown.

Die Aufreihung der Lebensgeschichte anhand von Rezepten der Mutter klingt nach einer wunderbaren Idee, kam mir allerdings bei den meisten zu konstruiert vor. Die Rezepte selbst sind nicht unbedingt Vertreter der »typisch italienischen Küche«. Sicherlich entwickelt sich die Protagonistin mit den Rezepten, der Anspruch steigt in der Tat auch von Gericht zu Gericht, aber letztlich sind sie recht einfach gehalten. Man könnte sie, um es positiv zu sagen, auch problemlos als gehaltvolle Hausmannskost bezeichnen. Die erhoffte Inspiration blieb leider sowohl kulinarisch als auch literarisch vollkommen aus.

Die Seiten haben reichlich Rand, der Zeilenabstand ist riesig, all das führt dazu, dass man das Buch äußerst zügig lesen kann, aber eben auch, dass man den 200 Seiten mehr Gehalt, mehr Substanz zugestehen würde. Weit gefehlt, denn letztlich handelt es sich um eine mehr oder weniger durchschnittliche Lebensgeschichte, aufgereiht an Erinnerungen und Rezepte an die früh verstorbene Mutter, aufgeschrieben von einer komplexbeladenen, über alle Maßen narzisstischen Protagonistin (und möglicherweise auch Autorin, die Eckdaten lassen auf eine zumindest in Teilen autobiografische Geschichte schließen).

So bleibt der Vater fast ebenso farblos wie die drei Geschwister, allein die ständigen Klagen der Protagonistin über ihr schweres Leben, ihre Rolle als Frau nehmen die Erzählung vollkommen ein. Es hätte der Geschichte gut getan allen Charakteren etwas mehr Tiefe zu geben, die Geschichte komplexer und damit interessanter zu machen. Die Idee der Aufreihung an den Rezepten der Mutter, des Vergleichs mit einer scheinbar übermenschlichen Mutter, der persönlichen Reflexion und Entwicklung der Protagonistin, hat durchaus das Potenzial zu einer interessanten und auch gehaltvollen Familiengeschichte. Aber selbst in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um ein Debüt handelt, macht das Ganze einen unfertigen, einen vorschnellen Eindruck. Vor allem im Vergleich zum eingangs genannten, ganz wunderbaren Debüt von Marco Balzano, bleibt »Der Duft von zu Hause« weit hinter meinen Erwartungen zurück.

Von mir gibt's

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