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Blogparade 2012

Blogparade2012

Bereits dreimal habe ich mir vorgenommen, an der Blogparade zum Jahresabschluss von Katrin von Buchsaiten teilzunehmen. Auch in diesem Jahr habe ich es vor mir hergeschoben und bin nun zu spät dran. Dennoch möchte ich, wenngleich als Nachzügler, teilnehmen und mein vergangenes Lesejahr und dessen Höhepunkte noch einmal zusammenfassen.

Es war ein besonderes Jahr, denn Natalie und ich haben ein halbes Jahr fast Tag und Nacht an unserer Bachelorarbeit gearbeitet. Warum ich das erwähne? Nun, zum einen blieb damit weitaus weniger Zeit zum Lesen, zum anderen hat unsere Kulinarische Reise durch die Literatur eben auch mit Büchern zu tun gehabt, die in großen Teilen erst gelesen werden mussten. Fluch und Segen zugleich. Wie es seitdem bei uns weiterging, werden wir noch einmal in einem eigenen Blogpost zusammenfassen, denn das gehört hier wirklich nicht her.

Bevor ich nun zu den Fragen komme, kann ich resümierend festhalten, dass ich zufrieden bin mit dem vergangenen Jahr. Ich habe Bücher gelesen, über die ich noch lange Zeit glücklich sein werde und mit wunderbaren Erinnerungen und Menschen verbinde. Ich habe mich durch unsere Bachelorarbeit in neue Gefilde vorgewagt und habe Perlen und Pleiten erlebt. Ich habe einmal mehr gelernt, das Buchcover und Titel höchst manipulativ sein können und im Herbst eine Lesegruppe ins Leben gerufen. Meine Erfahrungen dazu werde ich demnächst auch noch in einem Blogpost festhalten und bin schon sehr auf eure Kommentare gespannt. Nun aber los.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

Ich lese ja tendenziell kaum Bücher, von denen ich mir wenig verspreche, schließlich ist das Leben zu kurz für schlechte Bücher. Ausnahmen bilden seit Herbst Bücher, die wir in der Lesegruppe lesen und Empfehlungen von Freunden und Bekannten, auf deren Meinung ich viel gebe. Das hier erwähnenswerte Buch ist ein kulinarisches, welches ich für unsere Bachelorarbeit las. Das Cover allein ließ mich meine Erwartungen nicht allzu hoch schrauben und dennoch überzeugte mich »Fünf Viertel einer Orange« von Joanne Harris. Aus ihrer Feder stammt im übrigen auch »Chocolat« – einige von euch kennen sicherlich die Verfilmung. Ich erwartete hier auf 400 Seiten eher seichte Kost,  um nicht zu sagen Kitsch, Ullstein hat sich mit dem Cover wirklich kein Bein ausgerissen. Es kam aber anders, eine Flucht in der Vergangenheit im Frankreich zur Zeit des zweiten Weltkrieges, die Rückkehr in die Heimat im Hier und Jetzt. Joanne Harris erzählt eine glaubwürdige Familiengeschichte, gespickt mit einigen kulinarischen Leckereien. Ein wenig seicht vielleicht, aber ganz sicher nicht kitschig.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

Das ist leicht, denn mir kommt bei der Frage sofort ein Titel in den Sinn, den ich in der ersten freien Woche nach dem Abschlussmarathon las und der schon länger auf meiner Liste stand. »Der verführerische Charme der Durchschnittlichkeit« von Melissa Jacoby. Ich bekomme keine drei Sätze mehr zusammen, worum es im Konkreten ging, weiß aber genau, dass es mich enttäuschte. Ich habe eine Geschichte um die Leiden der Hochbegabung bei Kind und Eltern erwartet und bekam genau das, aber zu seicht, zu oberflächlich, zu langweilig und meines Erachtens zu sehr von sich überzeugt erzählt. Schade.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Ebenfalls in der Auswahl für unser Kochbuch befand sich »Teufelsfrucht« und »Rotes Gold« von Tom Hillenbrand. Beide Werke habe ich aufeinanderfolgend gelesen und schon mehrfach empfohlen. Tom Hillenbrand, der im übrigen auch auf Twitter zu finden ist, erzählt vom luxemburgischen Sternekoch Xavier Kieffer, der beginnt Verbrechen aufzuklären. Neben der leichtfüßig erzählten Geschichte lernt man als Leser noch einiges über die Haute Cuisine, die Lebensmittelindustrie und den Fischfang. Im Juni diesen Jahres kommt dann auch der dritte Band und ich freue mich schon sehr darauf!

Eine weitere Neuentdeckung und Debütautorin geht auf eine Empfehlung der @Nachtfliegerin zurück, die sich zudem in meiner Timeline immer und immer wiederholte. Ich kam sozusagen nicht daran vorbei »Suna« von Pia Ziefle, die ebenfalls twittert, zu lesen. Mit dem Lesen dieser verworrenen Familiengeschichte und der Suche nach der eigenen, vor allem kulturellen Identität, verbinde ich zudem wunderbare Urlaubstage am Deich. Ein doppelt schönes Lesevergnügen, an das ich gern zurückdenke.

Ich könnte noch einige aufzählen, die ich dieses Jahr entdecken durfte,
belasse es aber bei diesen beiden Schätzen. Bemerkenswert finde ich, dass es sich bei beiden Autoren um deutschsprachige handelt, denn der Großteil meines Regals sind fremdsprachige Autoren. Ist das vielleicht ein Trend, der sich da abzeichnet?

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Das ist keine einfache Frage, denn ein schönes Cover kann rein haptisch vom restlichen Buch wieder zunichte gemacht werden. Beispielsweise gefiel mir »Nachtzirkus« von Erin Morgenstern gut, aber die Buchdeckel waren dünn und das Buch machte insgesamt einen etwas minderwertigeren Eindruck. Ebenfalls gut gefallen hat mir »Das Geheimnis des weißen Bandes« von Anthony Horowitz, denn die Typografie und der Leineneinband konnten durchaus überzeugen.

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2013 lesen und warum?

Da ich mich gern durch die Weiten unserer Bibliothek auf den Schwingen der spontanen Inspiration tragen lasse, lässt sich das nicht ganz so einfach sagen. Für die Lesegruppe werden es mit Sicherheit die folgenden vier Titel sein, über die wir uns bereits verständigt haben:

Auf »Lea« von Pascal Mercier freue ich mich, da ich den Autor kannte, bislang aber noch nicht dazu kam etwas von ihm zu lesen. Sollte mir »Lea« gefallen, werde ich mit dem »Nachtzug nach Lissabon« weitermachen, der dieses Jahr auch in die Kinos kommt.

»Die Stadt der Blinden« von José Saramago gehört zu den Lieblingen vieler und kein Teilnehmer unserer Lesegruppe hat es bislang gelesen. Ein Fauxpas, den wir nun beheben werden.

»In Zeiten des abnehmenden Lichts« von Eugen Ruge gehört zu den Empfehlungen der @Nachtfliegerin, der ich schon die Lektüre von »Suna« von Pia Ziefle zu verdanken habe. Ich freu mich sehr darauf.

Auf »Oben ist es still« von Gerbrand Bakker bin ich gespannt, weil mir weder Titel noch Autor etwas sagten und ich mich hierbei voll und ganz auf die Auswahl meiner Lesegruppe verlasse. Da es sich um unser Buch für den April handelt, habe ich mich noch nicht einmal informiert, Blind Reading sozusagen.

Neben der Auswahl für die Lesegruppe, habe ich mir nach der begeisterten und begeisternden Lektüre der Rezensionen der Klappentexterin vorgenommen, weiter in das Werk von John Irving einzutauchen. Vor einigen Wochen beendete ich »Letzte Nacht in Twisted River« und war mehr als angetan und um so gespannter auf all das Kommende. Einzig der Umfang seiner Bücher lässt mich regelmäßig tief einatmen. Außerdem gehören noch sowohl »Adams Erbe« von Astrid Rosenfeld als auch »Geschichte machen« von Stephen Fry auf die Liste zu lesender Bücher. In Sachen Neuerscheinungen muss ich zugeben, dass ich wegen des gewaltigen Umbruchs, den das Ende des Studiums und die neuen beruflichen Herausforderungen mit sich bringen, noch nicht dazu kam die Vorschauen zu studieren. Nächstes Wochenende. Bestimmt.

Wenngleich wenig Neues dabei ist, so hoffe ich doch, dass die ein oder andere Neuentdeckung euch inspirieren kann. Ich freue mich auf eure Kommentare und wünsche uns allen ein wunderbares Lesejahr 2013!

Kommentare

  1. ‚Oben ist es still‘ gehört zu den Büchern die ich im letzten Sommer gelesen habe. Ich war sehr ambivalent während des Lesens. Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass es mich beschäftigt hat und dass ich es gut fand.

    Ich sehe Dich bei uns hinterm Deich im Schatten sitzen und Suna lesen. 😉 Das Buch hat mir so viel gegeben und umso mehr freue ich mich, dass es dir so gefällt. Ich bin schon sehr gespannt was du zu Eugen Ruge sagst.

    Wenn dir der Lesestoff ausgeht – ich hätte da schon noch die ein oder andere Empfehlung. 😉

    • Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe nie bezweifelt, dass du ein wohl nie endender Quell so wunderbarer Buchempfehlungen bist und freue mich auf jede einzelne von Ihnen. Ja, das Lesen am Deich hatte schon was. Ich vermisse es. Ich liebte es. Ich versichere, dir lang und breit zu erzählen, was ich von ‚Oben ist es still‘ zu sagen habe. Wenn ich es denn gelesen habe. Vorher gibt’s noch einiges andere 😉

  2. Ein schöner und ausführlicher Beitrag zur Blogparade! 🙂 Ich freue mich diebisch, dass du „Suna“ gelesen hast und es dir gefallen hat. Für mich war es eines der Highlights des vergangenen Jahres.
    Deine Lesepläne klingen spannend, nur von Eugen Ruges Roman kann ich dir vorsichtig abraten: also mich hat er leider gar nicht erreichen können. „Letzte Nacht in Twisted River“ steht auch noch auf meiner diesjährigen Leseliste, nach dem mich „In einer Person“ unheimlich begeistert hatte.

    • Vielen Dank liebe Mara. Die Teilnahme an der Blogparade nehme ich mir auch schon so, so lange vor, das es dieses Jahr einfach etwas werden musste. So ist der Blogpost hoffentlich auch ein Auftakt zu einer aktiveren Zeit hier auf dem Blog. So viele Ideen schwirren mir im Kopf herum, es muss sich nur die Zeit finden, sie auch umzusetzen. Ich bin erstaunt, nein schockiert, dass dir Eugen Ruge nicht gefiel. Denn es handelt sich hierbei u.a. auch um eine Empfehlung der @Nachtfliegerin – die oftmals mit deinen gar nicht so weit auseinander liegt. Es macht mich sehr neugierig und ich freue mich, sozusagen trotz deines Abratens, ein Stück mehr auf das Buch. ‚In einer Person‘ steht wiederum bei mir noch auf dem Plan, auch noch anderes aus dem Werk Irvings, wie ich schrieb. ‚Letzte Nacht in Twisted River‘ fand ich, obwohl es recht dick ist, wirklich gut und zu keiner Zeit langweilig. Es ist erstaunlich und eine Kunst, eine Geschichte so detailgetreu zu erzählen, so lang einen Bogen zu spannen, der nicht abzureißen droht. Liebe Grüße und ein wunderbares Lesejahr 2013 für dich!

      • Lieber Konstantin,
        das mit den vielen Ideen kenne ich. Ich wälze gerade auch viele Ideen bezüglich meines Blogs durch meinen Kopf, mal schauen, was davon ich umsetzen kann. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, hier mehr von dir zu lesen dieses Jahr.
        Ich bin gespannt, wie dir das Buch von Eugen Ruge gefallen wird. Eigentlich hatte ich geglaubt, dass es mir auf jeden Fall liegen könnte, ich hatte bereits den Turm gerne gelesen und lange in Dresden gelebt, doch ich konnte dann so gar nichts damit anfangen. Die Geschichte hat mich weder berührt noch mitgerissen. Jetzt, mehr als ein Jahr nach der Lektüre könnte ich dir kein einziges Handlungselement nennen. *schäm*
        Nach deinen Worten freue ich mich nun noch mehr auf „Letzte Nacht in Twisted River“ und werde es möglichst bald lesen. Seit gestern bin ich ja in die neuesten Essays von Jonathan Franzen vertieft und total angetan.
        Viele literarische Grüße
        Mara

  3. Ich habe „Fünf Viertel einer Orange“ vor einiger Zeit auch gelesen, aber ich weiß gar nicht, ob ich es auch wirklich beendet habe. Ich weiß nur noch, dass es mir nicht besonders gefallen hat. Aber vielleicht war es einfach die falsche Zeit für mich, dieses Buch zu lesen und Bücher sind ja zum Glück auch immer Geschmackssache 🙂

    „Die Stadt der Blinden“ steht bei mir übrigens auch schon länger auf meiner Wunschleseliste. Ich habe bisher wirklich nur positives über dieses Buch gehört, aber jetzt habe ich wahrscheinlich auch extrem hohe Erwartungen daran… Mal sehen, ob ich es dann auch irgendwann einmal lesen werde.

    • Vielen lieben Dank für deinen Kommentar, liebe Verena. Der Wichtigkeit, ein Buch zur richtigen Zeit zu lesen, kann ich nur zustimmen. Ein Buch, eine Geschichte benötigt ‚ihre Zeit‘ und manchmal auch den richtigen Vorgänger. So viel, dass das Lesevergnügen steigert, schmälert oder hemmt. Wie ich bereits schrieb, ich war wirklich positiv überrascht bei ‚Fünf Viertel einer Orange‘, weil ich etwas anderes erwartet habe. Es ist sicherlich kein Wunderwerk der Literatur, aber mehr als nur solide, wie ich finde. Unabhängig davon, können Meinungen natürlich auch einmal auseinandergehen. ‚Die Stadt der Blinden‘ ist, wenn man sich die Blogs so anschaut, auch reichlich omnipräsent. Es ist schon beachtlich, wie viele Leser es als ihr Lieblingsbuch einstufen oder zumindest für überragend halten. Um so gespannter bin ich natürlich, es nun auch zu lesen. Vielleicht finden wir ja die Zeit, uns darüber auszutauschen. Ich würde mich freuen. Dir ein wunderbares Lesejahr 2013!

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